13. Gemeinsames Symposium

der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie e. V. (DGVP) und der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin e. V. (DGVM)
"Perspektiven der Verkehrspsychologie und Verkehrsmedizin – Der Mensch im Spannungsfeld von Technik und Umwelt"
6.–7. Oktober 2017 • Leipzig

Kongressdetails

Programmplaner

Workshopbeschreibungen

Workshop 1
Beurteilungskriterien (V-Hypothesen)
Leitung: A. Müller (Hamburg), S. Herzberg (Schweinfurt)

Straf-und/oder verkehrsrechtliche Begutachtungsanordnungen stellen Gutachter vor besondere Herausforderungen: Bei umfangreicher Aktenlage besteht die Gefahr, „den Wald vor lauter Bäumen“ nicht mehr zu sehen und den Fokus angesichts von Vielzahl und Vielfalt der Delikte zu verlieren. Bei wenigen, aber gravierenden Delikten braucht es gezielt vertiefende Strategien zur Erfassung der zugrundeliegenden Problematik, um auch „im einzelnen Baum einen Wald“ zu erkennen.  Im Verhältnis zu Alkohol- und Drogenfragestellungen ist eine deutlich geringere Fallzahl einerseits verbunden mit einer weitaus größeren Diversität der Fallkonstellationen andererseits. Und eine auf den ersten Blick die Prognose in der Regel weniger beeinflussende verkehrsmedizinische Befundlage wird bei näherem Hinsehen zu einer komplexen Problematik wie z.B. bei Vorliegen von neurologischen oder psychischen Erkrankungen. Ein kurzes Impulsreferat sowie Fallbeispiele sollen die Grundlage für einen intensiven Austausch zur Entwicklung von „best practise“-Untersuchungsstrategien bieten.

Workshop 2
Alkohol und Radfahren
Leitung: I. Rethfeld (Erfurt), T. Friedrich (Dresden)

Die Anzahl Getöteter im Straßenverkehr ist seit Jahren rückläufig. Demgegenüber ist aber eine Zunahme getöteter Radfahrer zu verzeichnen, so dass hier Handlungsbedarf besteht. Ein Schwerpunkt dabei ist Fahren unter Alkoholeinfluss. Dies war u.a. auch Thema auf dem 53. Deutschen VGT 2015. Empfohlen wurde die Schaffung eines Bußgeldtatbestandes gemäß §24a StVG für Radfahrer ab 1,1 ‰. Ab 1,6 ‰ wird auch für Radfahrer nach §13 Abs. 2 FeV zur Klärung von Eignungszweifeln eine MPU angeordnet. Inhalt des Workshops sind die Besonderheiten der Begutachtung von alkoholauffälligen Radfahrern.

Workshop 3
Drogen und Medikamente (u. a. Cannabis als Medikament)
Leitung: J. Brenner-Hartmann (Ulm), M. Graw, F. Musshoff (München), P. Strohbeck-Kühner (Heidelberg)

Die mit der Änderung im BtMG und im SGB V ermöglichte Verschreibungsfähigkeit von Cannabis auf BtM-Rezept hat viele Fragen aufgeworfen. Neben der Diskussion um die Problematik der Indikation und der Verantwortlichkeit angesichts weitgehend unbekannter Dosierungen und Nebenwirkungen vor allem der Cannabisblüten sind auch Fragen zur Fahrsicherheit und-eignung noch weitgehend offen.
Letztere Frage stellen sich jedoch vergleichbar auch bei Dauertherapie mit allen anderen psychoaktiven Arzneimitteln. Zentral ist dabei die Einschätzung der verkehrsrelevanten Auswirkungen des Medikamentenkonsums. Was ändert sich bei der Betrachtung der Verkehrsrisiken, wenn Cannabis als Medikament bei chronischen Schmerzen eingesetzt wird gegenüber dem Konsum mit Berauschungsmotiv? Wirken Amphetamine oder Opiate anders, wenn Sie vom Arzt verschrieben, als wenn sie missbräuchlich konsumiert werden? Wie sind die chronischen Folgen einzuschätzen? Was ist zu befürchten, wenn der Patient sich nicht an die ärztliche Verordnung hält oder wie ist eine Bedarfsmedikation zu werten?
Diese offenen Fragen sowie Methoden zur Bewertung des individuellen Verkehrsrisikos sollen im Workshop 3 diskutiert werden.

Workshop 4
Verkehrspsychologische Intervention
Leitung: S. Nitzsche (Erfurt), U. Kranich (Leipzig)

Immer wieder wird die Erhöhung der Qualität von Maßnahmen der verkehrspsychologischen Intervention angemahnt. Inzwischen ist dazu ein Buch erschienen, welches u. a. aktuelle Standards beschreibt. Zahlreiche Maßnahmen zielen auf eine Änderung der Einstellung und des Verhaltens und richten sich an unterschiedliche Zielgruppen. Dazu zählen auch Personen mit Migrationshintergrund. Der Workshop konzentriert sich in einem ersten Schwerpunkt auf diese Zielgruppe, Kultursensitive Aspekte werden problematisiert. Da verschiedene Schulungsmaßnahmen zudem in Gruppen stattfinden, in welchen auch gruppendynamische Prozesse eine erhebliche Rolle spielen, soll dies in einem weiteren Schwerpunkt im Workshop thematisiert werden. Wie können Störungen in Gruppen entstehen, welche Potenziale hat diese aber auch und worin besteht in diesem Prozess die Aufgabe des Moderators? Wie können Konflikte in Gruppen produktiv gelöst und damit die Entwicklung der Gruppen gefördert werden? Praktische Beispiele zu den genannten 2 Schwerpunkten sollen Lösungsansätze aufzeigen und zum Gedankenaustausch anregen.

Workshop 5
Verkehrsmedizinische Themen (u. a. Herz & Gefäße, Augen)
Leitung: H. Klein (Idar-Oberstein), C. Weimann-Schmitz (Aachen), B. Lachenmayer (München)

Herz-Kreislauf-Erkrankungen können durch ausgeprägte Schwäche oder durch einen plötzlichen Kontrollverlust am Steuer zu schweren Verkehrsunfällen führen. Zur Begutachtung der Fahreignung eines Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankung wurden nach Umsetzung der Vorgaben der Europäischen Union die Fahrerlaubnisverordnung und die Empfehlungen der Bundesanstalt für Straßenwesen aktualisiert. Dieser neue Kenntnisstand, der sich ganz wesentlich von früheren Vorschriften und Empfehlungen unterscheidet, wird im Mittelpunkt des Workshops stehen.

Workshop 6
Technologische Entwicklung und der Faktor Mensch
Leitung: W. Fastenmeier (Berlin), J. Kubitzki (Ismaning)

Seit Beginn der industriellen Moderne haben Psychologie und Medizin die technische Entwicklung in Arbeitswelt und Verkehr begleitet. Ihre Betrachtung des Faktors Mensch hat die Standards der Arbeits- und Verkehrssicherheit geprägt. Wie wandelt sich dieses Verhältnis zwischen Technik und Humanwissenschaft im 21. Jahrhundert mit seinen rasch voranschreitenden Zukunftstechnologien? Finden Psychologie und Medizin noch Gehör? Werden Standards heute anders gesetzt? Können Psychologie und Medizin ihre Kompetenz noch einbringen, oder kommt ihnen der Faktor Mensch abhanden? Erfahren Verkehrsverhalten und Fahreignung eine technische Neubewertung? Das Symposium will anhand aktueller Themen wie Fahrzeugautomation diesen Fragen nachgehen. Informationen zu hochautomatisiertem Fahren und Assistenzsystemen werden angeboten.

Workshop 7
Alkohol (u. a. Operationalisierung „Kontrolliertes Trinken“)
Leitung: J. Körkel, T. Wagner (Dresden)

Ziel dieses Workshops ist die Diskussion der Anwendungspraxis von Kriterien und Indikatoren der Hypothesen A2 und A3 im Spannungsfeld neuer Forschung zum kontrollierten Trinken, den staatlichen Schutzpflichten und den daraus resultierenden normativen Forderungen, Empfehlungspraxis mancher Behörden und individueller Veränderungsbereitschaft des Klienten.  Im Focus steht das Spanungsfeld „Notwendigkeit des Konsumverzichts“ und „Möglichkeiten des kontrollierten Trinkens“. In zwei Kurzreferaten wird das Workshop-Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, danach sollen konkrete Fallkonstellationen erörtert werden. Abschließend sollen aus der Forschung, aber auch aus den Erfahrungen der Workshopteilnehmer Kriterien für eine verbesserte Operationalisierung kontrollierten Trinkens zusammengetragen werden. Die Ergebnisse sollen der „Ständigen Arbeitsgruppe Beurteilungskriterien“ (StAB) für die Überarbeitung der BK’s zur Verfügung gestellt werden.  

Workshop 8
Drogen und Medikamente (u. a. Cannabis als Medikament) – Wiederholung
Leitung: J. Brenner-Hartmann (Ulm), M. Graw (München), P. Strohbeck-Kühner (Heidelberg)

Workshop 9
Verkehrspsychologische Intervention – Wiederholung
Leitung: S. Nitzsche (Erfurt), U. Kranich (Leipzig)

Workshop 10
Verkehrsmedizinische Themen (u. a. Herz & Gefäße, Augen) – Wiederholung
Leitung: H. Klein (Idar-Oberstein), C. Weimann-Schmitz (Aachen), B. Lachenmayer (München)